1. Herren - 2. Bezirksklasse Nord

17.05.2017 10:23
Von: David Lücking

Tischtennis-Saison 1. Herren 2016/17

Mannschaftsfoto 1. Herren Saison 2016/17

Ganz nüchtern betrachtet: Die Saison 2016/17 verlief für die 1. Herrenmannschaft sehr erfolgreich. Zur Bestätigung genügt ein kurzer Blick auf die Fakten: Als Aufsteiger in die Saison gestartet, schnupperte die jüngste Mannschaft der Liga als erste Hollager Herrenmannschaft überhaupt die Luft der 1. Bezirksklasse. Dieser Umstand und die daraus resultierende Unsicherheit in Bezug auf die Stärke der Konkurrenz begründete dann auch das ursprüngliche Saisonziel: Klassenerhalt!

Jenem Ziel kam man schon zum Ende der Hinrunde beruhigend nahe, überwinterte die Truppe doch auf dem 3. Tabellenplatz.

Um die Fakten in Kürze abzuschließen: Die junge Mannschaft verteidigte diesen Platz bis zum Ende der Saison! Nüchtern betrachtet, war die Saison also faktisch überaus zufriedenstellend und kann als Erfolg in der Hollager Tischtennis-Historie verbucht werden.

Doch was zählen Fakten in der heutigen Zeit? Und handelt es sich tatsächlich um Fakten? Ist es überhaupt korrekt, dass Hollage die jüngste Mannschaft stellte? Stimmt es, dass sich Mannschaft und Verein ob der Spielstärke der Liga unsicher waren? Wer hat eigentlich das Saisonziel im Voraus offiziell tituliert? Gab es überhaupt ein Saisonziel oder war es vielleicht gar ein ganz anderes? Kurz gesagt: Kontrolliert irgendjemand diesen Bericht auf Einhaltung von Fakten? War der dritte Platz wirklich ein Erfolg?

An diesem Punkt könnte ich jetzt weiter ausholen, diverse Quellen und unabhängige Berichte zitieren, aber postfaktisch gesehen helfen wohl keine nüchternen Fakten, sondern starke Worte, große Emotionen, echte Erfahrungen, vielleicht das Statement eines Zeitzeugen!?

Als eben solcher steigt sogleich Wehmut in mir auf, obwohl ich es mir doch gerade im Sofa gemütlich gemacht und eine gute CD eingelegt habe.

Eine CD!? Nicht dein Ernst. Wenn du schon die Fakten verdrehst, dann wenigstens mit Bedacht! Eine CD… das ich nicht lache! Die jüngste Mannschaft der Liga, ja genau. Warum nicht gleich ne Kassette!?

Ach ja, was war das für eine Zeit! Gedankenverloren greife ich zum wohlverdienten Feierabend-Bier, lasse die Gedanken kreisen und schwelge in Erinnerungen… Prost! Auf die Mannschaft!

DIE MANNSCHAFT, wie man heute so schön sagt bzw. schreibt, war klasse, von vorne bis hinten, von Anfang bis Ende. Warum also jetzt diese Gefühl von Wehmut? Es sind wohl die Details, die dieses Gefühl heraufbeschwören:
Ja, wir sind furios gestartet, und das ohne überhaupt den ersten Ball gespielt zu haben. Die Kontrahenten zitterten vor uns, noch bevor sie uns das erste Mal gesehen hatten. Der Ruf einer jungen, wilden, hungrigen Mannschaft eilte uns voraus.

Welcher Ruf? Die anderen kannten euch doch gar nicht, wie du selbst im Halbsatz davor erwähnt hast.

Belm als erster Gegner sprach uns sogleich die absolute Favoritenrolle zu: nicht ganz zu Unrecht, wie sich am Ende des Spiels herausstellte. Ja, das war ein Spiel, ein traumhafter Einstand in die neue Klasse, ein Grund zum Feiern! Ich proste mir selber zu und nehme einen kräftigen Schluck, und neben dem Stolz ob dieser Leistung übermannt mich gleich wieder das Gefühl von Wehmut:

Denn in Zeiten der digitalen Welt sprach sich unsere Leistung schnell herum, unsere Stärken und Schwächen wurden analysiert und schließlich auch gefunden. Sogleich stellten sämtliche Gegner um und spickten ihre Aufstellungen mit Noppen. Mit dieser Verschwörung hatten wir nicht gerechnet, sie traf uns bis ins Mark!

Verschwörung!? Nicht dein Ernst! Maßlose Übertreibung ist die eine Sache, postfaktischer Schwachsinn wie Verschwörungstheorien die andere…

Naja, glaubt es oder lasst es sein: Fakt ist, das sämtliche (wirklich ganz bestimmt alle, also annähernd, fast, ganz viele) gegnerische Mannschaften gegen uns mindestens ein komplettes Paarkreuz mit mindestens einem Noppenbelag pro Spieler ausstatteten, ausgerechnet (wirklich ganz bestimmt jedes Mal, also annähernd, fast) immer gegen unsere Noppen-anfälligsten Spieler.

Die Folgen waren verheerend: Die Stimmung bei diesen Spielen fiel auf den Tiefpunkt, und schlussendlich schickte uns der Topfavorit Oldendorf III mit einer 1:9 Klatsche nach Hause.

Bleib bei den Fakten: Ihr hattet Heimspiel…

Bei dem Gedanken an diese Backpfeife schlackern mir immer noch die Ohren, zum Kühlen greife ich schnell wieder zur Flasche…

Ein echter Niederschlag! Doch ganz im Sinne des Boxkampfs des Jahrhunderts

...naja, Superlative machen sich bekanntlich postfaktisch immer gut!...

schüttelten wir uns kurz, standen wieder auf und streckten in der nächsten Runde (den späteren Meister) VfL Kloster Oesede nieder!

Streckten (…) nieder!? Nicht dein Ernst… ein schnödes Unentschieden war es, nicht mal nach Sätzen hat Hollage gewonnen… und überhaupt: In der nächsten Runde!? Sage und schreibe drei Spiele habt ihr gebraucht, um zu diesem Gegenschlag auszuholen. Okay, von den drei Spielen habt ihr keins verloren, aber der Klitschko-Vergleich hinkt doch erheblich!

Damit sicherten wir uns gleichzeitig den 3. Platz der Hinrunde und blieben auf Tuchfühlung zu den beiden vordersten Plätzen, ein Aufstieg schien also im Bereich des Möglichen!

Dementsprechend starteten wir mit einer großen Portion Euphorie in die Rückrunde, doch noch bevor wir den ersten Ball gespielt hatten (die Dinge wiederholen sich), verletzte sich unsere Nummer eins für mindestens drei Spiele! Zur Beruhigung greife ich schnell wieder zum (inzwischen nicht mehr ersten) Feierabend-Bier…

Der zweite Niederschlag in dieser Jahrhundert-Saison!

Jahrhundert-Saison!? Für wen denn? Langsam verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität in deinem sogenannten Bericht, vom triefenden Pathos mal ganz abgesehen… apropos: selbst bei einem Jahrhundert-Kampf gibt es immer einen Verlierer!

Sogleich hagelte es dann auch weitere Niederlagen: Wallenhorst, Holzhausen, Bramsche. Schwer gezeichnet und mehrfach angezählt torkelten wir in das letzte Viertel der Saison, selbst der Abstieg war wieder im Bereich des Möglichen.

Schweiß bricht mir von der Stirn, die Hände zittern, nur mit Mühe und Not bekomme ich wieder die Flasche an den Hals…

Und plötzlich sind die trüben Gedanken wie weggeblasen, die Sonne sucht sich ihren Weg, unsere Nummer eins erscheint wieder im Spotlight, besser: am Tisch beim nächsten Spiel. Meine Gedanken verschwimmen, ist es die Euphorie oder der Alkohol? Der Blick getrübt, die Sicht teilweise doppelt, doch meine Erinnerung scharf wie nie: Doppelter Punktgewinn, durch unsere Nummer eins sowieso (ganz bestimmt 2 Punkte, mindestens, also annähernd, fast), und durch unsere Mannnschaft. Und was noch viel wichtiger war: Die Euphorie war zurück, der Mannschaftsgeist, dieses „Ja, wir schaffen das!“.

Unsere Noppen-Hasser hatten überdies die Zwischenzeit genutzt, um ihre größte Schwäche in ihre größte Stärke umzuwandeln, was die Verschwörer noch zu spüren bekommen sollten.

 Verschwörer!?...nicht schon wieder. Das Thema hatten wir doch schon, siehe oben…

Trotz überwältigender Noppendichte ließen wir Oesede und Oldendorf III keine Chance, spielten sie an die Wand, schickten sie enttäuscht nach Hause zu Mutti!

Wo soll man hier noch ansetzen? Überwältigende Noppendichte!? Nicht mal die Hälfte der gegnerischen Spieler nutzte Noppenbeläge. Keine Chance!? …die Endstände lauteten 9:7 bzw. 9:6. Viel knapper kann man nicht gewinnen. An die Wand!? Welche Wand? (…)Enttäuscht (…)!? Warum um alles in der Welt sollten die schon vor den beiden Spielen als Meister bzw. Vizemeister feststehenden Kontrahenten enttäuscht gewesen sein, ging es doch für sie um rein gar nichts mehr außer der Ehre?

Zusammengefasst also ein großartiges Finale, ein Ausrufezeichen für die nächste Saison, eine Kampfansage an alle Joshuas, Furys, und Jennings des Tischtennissports.

Kein Kommentar.

Verflogen nun auch die Wehmut, gewichen dem Stolz ob einer herausragenden Saison trotz aller Widrigkeiten.

Doch darauf will ich nicht anstoßen, sondern vielmehr auf diese großartige Mannschaft! Darauf, dass jeder Spieler für jeden anderen da war, Tipps gegeben hat, wo er konnte, angefeuert hat, mit Herz und Seele dabei war!

Darauf, dass diese junge Mannschaft in dieser Saison so vieles dazu gelernt hat, nicht nur spielerisch, sondern vor allem mental!

Darauf, dass ich auch dieses Jahr wieder Teil DER MANNSCHAFT sein durfte (trotz meines verhältnismäßig hohen Alters)!
…jetzt wird ein Schuh draus, zumindest aus den CD`s, siehe oben…
Auf DIE MANNSCHAFT, Prost!

Postfaktisch gesehen eine gute Zusammenfassung der Saison, wenn auch nicht ganz nüchtern betrachtet.

In diesem Zusammenhang sei noch darauf hingewiesen, dass im Zuge der Berichterstattung eine Kiste Bier vernichtet wurde. Nun muss man wissen, dass seitens der Abteilung die Strafe von einer Kiste Bier erhoben wird, sollte eine Mannschaft keinen Abschlussbericht abgeben. Die Strafe wurde mit diesem Bericht erfolgreich umgangen, aber…

Sinn und Unsinn dieses Berichts bleibt in dieser Hinsicht fraglich.

David Lücking

Kommentare: Offizieller Kontrolleur der Hollager Berichterstattung auf Einhaltung der Fakten, kurz: OKdHBaEdF vom Dienst